Montags-Merker

Ein bequemer Ledersitz. Ein  Holztisch, der sich unkomplizierter ausklappen lässt, als manch Werk eines schwedischen Möbelfabrikanten.

Extra-Beinfreiheit – die aber bei meinen handlichen 1,61 m nicht weiter von Bedeutung ist.

Die Panorama-Scheibe strahlt schöner, als jedes meiner heimischen Fenster, und die vorbeiziehende Landschaft inspiriert mich zu neuen Taten und gibt mir einen nachhaltigeren Einblick in Deutschlands Gegebenheiten als die neueste Ausgabe des Diercke Weltatlas.

Eine emsige Bedienung eilt lautlos gefühlt 20 Mal pro Minute an den Sitzreihen vorbei und ist objektiv an Freundlichkeit und Engagement kaum zu überbieten. Die Leckereien, die an mir vorbeischweben, können sich bestimmt mit dem Durchschnittsangebot deutscher Kantinen messen- von manch Schulspeisung ganz zu schweigen.

Hinter mir telefoniert eine Dame und vermittelt mir die beruhigende Einsicht, dass es noch Leute gibt, die Kundenperspektive einnehmen können und bemüht sind, ihre Team-Mitglieder so einzusetzen, dass zeitlich und inhaltlich die bestmögliche Wertschöpfung zu erwarten ist.

Ich gestehe: Selten hatte ich in meinem Leben Anlass, Gast der Deutschen Bahn zu sein. Und jüngst hatte ich Premiere in der 1. Klasse und war sehr angetan.

Bis das dezente Treiben vom Raunen einer Rentnerin gestört wurde:

Jo sogamoi, Herrschaftszeidn, muas die do die gons Zeit so laut delefoniern?

Merke: 

  1. Es gibt viele Gründe, mit der Bahn zu fahren. Eine ist, Zeit zu sparen und zu arbeiten.
  2. Es gibt viele Gründe, 1. Klasse zu fahren. Einer ist, BEQUEM und etwas ungestörter zu arbeiten.
  3. Es gibt viele Gründe, im Handy-Bereich zu sitzen. Und nicht jeder tut es, um sich unterwegs Katzenvideos anzuschauen.

Und bei aller Toleranz für individuelle Bedürfnisse und Vorlieben:

Irgendwie finde ich es feine und praktische Sache, dass es noch Menschen gibt, die das (Renten-)System am Laufen halten.

 

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