Präsent bei Facebook – mit wenig Zeiteinsatz.

Bettina

Bettina Neuer zeigt, wie.

Bettina ist die Frau für den überzeugenden Auftritt – auf dem Papier, online und in natura.

Sie gehört zu den wenigen Menschen, die ich bisher persönlich getroffen habe, die in unterchiedlichen Bereichen tätig sind – und das erfolgreich.

Bettina, erzähl doch mal kurz von deinem Job. Für welche Kunden setzt du gerne und oft deine Zeit ein und machst das (Berufs-)Leben schöner, effizienter oder erfolgreicher?

Angefangen habe ich mit der Ausbildung zur Stylistin. Zu meiner Begeisterung für schöne Dinge und überzeugende Haptik kam dann später noch mein Interesse für Marketing und neue Medien. So jüngst abgerundet mit meiner Fortbildung zur Social Media Managerin.

Wenig überraschend, dass ich in den letzten Jahren vorwiegend und gerne für große Modelabel wie Escada und Armani tätig war, sowie für Kunden aus dem Lifestyle-Bereich. Grundsätzlich unterstütze ich aber jede Berufsgruppe, die mit ihrer Außendarstellung punkten möchte. Einen glanzvollen Auftritt – im wahrsten Sinne des Wortes – schaffe ich z.B. gerade mit einem Katalog für ein großes Handelshaus für Edelmetalle.

Ohne Social Media, allen voran Facebook, ist heute fast kein beruflicher Alltag mehr möglich, so scheint es.

Ja, das stimmt. Nahezu jeder Berufsstand ist mittlerweile dort vertreten. Und mit fast 30 Millionen Mitgliedern hat man ja auch tatsächlich eine große Spielwiese. 

Spielwiese ist ein gutes Stichwort. Ich ertappe mich selbst gerne dabei, dass ich eigentlich nur etwas posten wollte, und mich dann wieder, neugierig wie ich bin, im Meer der vorgeschlagenen Seiten verliere. Was tun als Einzelunternehmer, wenn das Tagesgeschäft im hier und jetzt Disziplin einfordert?

Ja, gerade kleine Firmen sollten sich zunächst auf die Grundlage jeder Marketing-Strategie besinnen. Nämlich die Frage: Wer ist meine Zielgruppe? Ein alter Hut und oft gehört, aber nicht immer leicht zu beantworten.

Ich als Suchmaschinen-Werberin denke natürlich zuerst an Akquise und Aufträge. Bei Facebook ist die Fragestellung aber eine etwas andere, nicht?

Ja, genau. Hier geht es nicht primär um Auftragsakquise, sondern um dein Image. Überlege dir genau, wie du dich wem präsentieren möchtest. Das gilt nicht nur für Kunden, sondern auch für Subunternehmer oder gar potenzielle Bewerber.

Welche Überlegungen sollten dabei eine Rolle spielen?

Im Grunde zunächst eine ganz einfache: Auf deiner Website suchen die Menschen Informationen. Auf Facebook möchten sie unterhalten werden.

Nun ja, Pausenclown zu spielen ist ja nicht jedermanns Sache ….

Das muss man auch nicht. Du solltest dich einfach in die Lage deiner Interessenten hineinversetzen und dich fragen: Was könnte sie interessieren? Was könnte ihnen nützen? Was Spaß machen?

In fast jeder Berufsgruppe gibt es regelmäßig etwas zu berichten. Vom Inhaber selbst oder von den Teammitgliedern. Das Wichtigste dabei: Sei authentisch.

Ich selbst schwanke mitunter zwischen spontanen Beiträgen und einem ausgeklügelten „Redaktionsplan“, der mich aber zeitlich mehr belastet, als dass er mir wirklich hilft, und mir manchmal auch ein wenig den Spaß an der Sache nimmt ….

Es muss gar nicht so kompliziert sein. Lege dir eine Themensammlung zurecht, und beschränke dich auf ein oder zwei Postings pro Woche. Diese aber wirklich konsequent.

Recherchiere, wann deine Zielgruppe aktiv ist und richte deine Aktivitäten darauf aus. Wenn du meinst, sie sei immer präsent, solltest du sie nochmal definieren – oder dich freuen 😉

Man hört hier gerne: Montagmorgen oder Freitagnachmittag.

Das klingt einleuchtend, muss aber nicht auf dich zutreffen. Ein paar Fragen, die man sich hier stellen könnte:

„Lesen meine Empfänger eher während der Arbeitszeit oder am Feierabend?“

„Wann gehen meine Posts eher unter?“

Für Insider: „Wann finden Meetings statt?“

Für Wohlwollende: „Wann würde ich diesen Post am liebsten lesen?“

Mach dir die Mühe, das zu recherchieren und entsprechend zu agieren. Es lohnt sich.

So weit, so gut. Es ist ja aber nicht damit getan, selbst zu posten. Gut wäre auch, sich am Geschehen anderer zu beteiligen.

Das ist richtig. Du musst aber dennoch nicht Hunderte anderer Seiten abonnieren, lesen und kommentieren. Beschränke dich auf einige wenige, die dir passend scheinen, einen Mehrwert bieten oder einfach gefallen, und scanne nach Infos, die dich interessieren. Das geht schnell, auch wenn man sich dabei natürlich ein wenig disziplinieren muss. Niemand zwingt dich, 2-3 x wöchentlich die Profile alter Schulfreunde zu inspizieren. Und es ist auch nicht notwendig, binnen 10 Minuten nachzuverfolgen, wer jeweils deine Seite abonniert hat. Neugier in Ehren – deine Statistiken vergessen auch später nichts.

Und warum ist das Thema Zielgruppe so wichtig?

Wer am Anfang steht, wird nicht umhin kommen, zunächst einmal an seiner Reichweite zu arbeiten. Und die wird man mit  vertretbarem Aufwand nur schwer ohne bezahlte Klicks erreichen. Deshalb ist es wichtig, sie auf die Kerngruppe auszurichten, und auch auf die Geräte, an denen man sie vermutet …

Als BWLerin möchte ich natürlich zeitnah Ergebnisse sehen. Gibt es Ziele, die ich mir zahlenmäßig setzen könnte?

Grundsätzlich setzt du bei Facebook natürlich auf die Wirkung von Multiplikatoren. Dennoch heißt die Devise gerade am Anfang: Qualität vor Quantität. 80 Abonnenten, die deine Posts regelmäßig sehen und evtl. interagieren, bringen mehr als eine bunte Masse von 1.000, die aber nicht wirklich deinem Angebot verbunden sind.

Stichwort Interaktion. Hast du ein paar gute Beispiele für Berufsgruppen, denen eher nicht der Glamour-Faktor zu Hilfe kommt?

Ein Steuerberater und grundsätzlich jede beratende Zunft kann wohldosiert Tipps geben, die sicher dankend angenommen werden. Wohldosiert, weil ja logischerweise niemand die eigene Tätigkeit entbehrlich machen möchte. Aber bei einem Me(eh)r an Arbeit kann man guten Gewissens regelmäßig ein paar Tropfen Weisheit verschenken ….

Jeder, der ein Handwerk betreibt, kann seine Arbeit präsentieren. Hat Sonderaktionen oder Sonderangebote. Besucht Workshops oder gibt vielleicht selbst welche. Nimmt an Ausstellungen oder Wettbewerben teil. Liest und hat Buchtipps. Natürlich hat keiner Lust, ausschließlich Tipps für Veranstaltungen zu lesen, die am anderen Ende der Republik stattfinden. Der Mix ist entscheidend.

Mir scheint, als wäre die reine Ideensammlung zeitintensiver als die eigentlichen Facebook-Aktivitäten.

Ja, wenn du dir aber über deine eigentliche Strategie im Klaren bist, ist die Umsetzung nicht wirklich zeitintensiv.

Kannst du ein Tool empfehlen?

Wer einen etwas besseren Überblick haben und langfristig planen möchte, könnte sich scompler anschauen. Damit kann man Themen und Posts planen, steuern und analysieren. Für Freelancer gibt es eine kostenlose Variante mit nur einem Log-in und ohne Team-Funktionen.

Gibt es das eine oder andere Fettnäpfchen, das ich umschiffen kann?

Wie schon erwähnt, ist Authentizität die halbe Miete. Generell gilt: Halte Abstand von politischen und religiösen Themen. Und ganz wichtig: Auch eine „Buchhalter-Natur“ muss sich damit abfinden, dass die Resonanz von Beiträgen mitunter schwer steuerbar ist und – fernab brisanter Themen – schnell sehr hohe Wellen schlagen kann.

Das kann man aber auch positiv sehen.

So ist es. Und was man auch nicht vergessen darf, ist der relativ geringe finanzielle Aufwand, mit dem man hier Bekanntheit aufbauen kann. Facebook-Anzeigen können ja bereits für einen niedrigen zweistelligen Monatsbetrag sehr gewinnbringend eingesetzt werden. Und von der Präzision der Zielgruppen-Auswahl kann ein Lesezirkel beim Zahnarzt nur träumen.

Könntest du dir einen Social Media-Alltag ohne Facebook vorstellen,und wo würde man dich dann treffen?

Eine Adresse wäre für mich Pinterest, denn als Grafikerin schätze ich natürlich ein inspirierendes Umfeld. Ansonsten bei Xing oder bei Netzwerk-Veranstaltungen im echten Leben.

Zum Schluss noch ein kleines Beispiel, wie man besser nicht vorgehen sollte?

Justine Sacco zeigt, wie schnell ein unbedachter Post einen Shitstorm auslösen kann: Sie hat vor ihrer Abreise nach Afrika Folgendes gepostet: „Hope I don’t get AIDS. Just kidding. I’m white!“ Den Rest kann man hier nachlesen: www.rp-online.de.

Und auch Elisabeth von Thurn & Taxis erlebte mit ihrem Post eine ziemliche Welle: www.welt.de.

Also: Zeit hin, Zeit her – lieber einmal mehr überlegen, womit man die Welt beglückt 😉

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