Der Ofen und ich.

 

Ofen Blog

Ich liebe Kuchen.

Ohne meine nachmittägliche Schnittchen-Ration bin ich (fast) nicht arbeits- und denkfähig oder in irgendeiner Weise alltagstauglich. Ich kenne vermutlich das komplette Kuchen-Angebot jeder Bäckerei uned Konditorei im Umkreis von 5 km. Ich kann mich hemmungslos auslassen über den Geschmack und die Konsistenz der jeweiligen Decke, den Boden und natürlich den Mittelteil. Das war`s dann aber auch schon. Ich habe nämlich vom Backen keine Ahnung. Gar keine. Mindestens 50 % meiner Kuchen der letzten Jahrzehnte Jahre haben die 2 m-Hürde vom Herd zum Esstisch nicht geschafft und die Wohnung nicht im Magen, sondern in der Mülltüte verlassen. Gott sei Dank weiß man ja vorher Bescheid und hat für den Notfall noch etwas im Tiefkühlfach.

So einmal jährlich werde ich immer noch schwach, meist bei Familien-Feierlichkeiten. Immer wieder lasse ich mich anwerben von Versprechen wie „absolut gelingsicher“, „supereinfach“ und was da noch so alles in diversen Büchern und den Weiten des Web zu finden ist.

Nichts ist bei mir gelingsicher, was süß ist und den Ofen verlassen soll, um gegessen zu werden. Klar, essen kann man so einiges, ohne unmittelbar daran zu sterben. Aber muss man das mitleidige Lächeln der Besucher ertragen, die ein staubtrockenes, bröseliges matschiges Etwas mit einer doppelten Ration starken Kaffee runterspülen? Nein, muss man nicht. Man muss nicht alles können. Ich kann genug für`s Erste.

Apropos Sterben. Ein Blick in die Küche hinterher erinnert meist an ein Set beim Hitchcock-Dreh. Nur ohne Leiche. Also vor, während und nach dem Kuchengenuss. Und an besagtem Set gab es mit Sicherheit eine gut organisierte und einsatzfreudige Reinigungs-Crew. Bei mir in der Regel nicht, zumindest nicht wirklich engagiert. Dafür aber einen immer wiederkehrenden Gedanken:

Was hättest du in dieser Zeit alles sinnvolles machen können?

  • Wieviele lukrative Aufträge akquirieren?
  • Wieviele Bücher lesen?
  • Wieviele Stunden einfach nichtstun?

Nun ja, die meisten von uns haben doch ein wie auch immer geartetes soziales Umfeld und können nicht umhin, entweder Zeit und gelegentlich mal eine Kuchenration – idealerweise in großen Mengen – bereit zu stellen.

Was tun?

Großbestellung beim örtlichen Bäcker des Vertrauens?

Die meisten, die ich bisher gesprochen hatte, hatten vermutlich keine Umsatzsatzbeteilung und waren unter`m Strich keine wirklich große Hilfe. Oft konnte ich auch den spontanen Gedanken im Gesicht lesen:

Jo mei, gebts so wos a olleweil? A Muada, die wos net backe ko?

Gibt`s. Ich bin so eine. Und meine Lieben leben immer noch. Ich denke, gut sogar.

Dafür klingelte die Kasse aber bei jedem Anlass immer lauter. Keine Dauerlösung für Großfamilien mit einem Alleinverdiener und einem Durchschnitts-Netto unter dem Durchschnitt.

Tiefkühl-Schneckchen vom Discounter? Hach ja. Oder eher nein.

Es gibt aber noch eine Alternative: Der Backautomat, Muffin-Maker, oder wie man das Kind auch nennen möchte.

Erinnert im Wesentlichen an ein Waffeleisen und zaubert in wenigen Minuten ein ordentliche Menge leckerer Kleinteile.

Es gibt Trillionen Rezepte für Mini-Muffins, Cupcakes und Donuts. Beim Buchhändler Ihres Vertrauens, Amazon und Chefkoch.de

Kleine Warnung vorab:

Beim allerersten Übungsdurchlauf sieht der Output vermutlich nicht so aus, wie auf diesem Foto.

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Ein wenig Zeit zum Üben darf man einplanen. Und was auch nicht ganz unwichtig ist: Die Tatsache, dass in diesen Einsätzen in wenigen Minuten Teig backen soll, legt die Vermutung nahe, dass diese heiß werden. Sehr heiß.

Erwähnte ich bereits, dass diese Einsätze sehr heiß werden? Also, immer hübsch auf die Finger aufpassen, auch beim Wechseln selbiger, sonst sind 2 Wochen Krankschreibung fast garantiert. Und zumindest die schreibende Zunft hat hier ganz schlechte Karten. Kinderfinger idealerweise nicht mit Backen, sondern mit der späteren Verzierung beschäftigen.

Ansonsten: Geruch, Geschmack und Zeitersparnis genießen – und sich noch einen netten Menschen für`s Aufräumen und Säubern suchen.

Keine Garantie für körperliche und geistige Unversehrtheit – wohl aber für ein Backerlebnis der besonderen Art 😉

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